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Montag · 17.12.2012 · 14:13 Uhr · Martin Kloth, dpa und cie

Kontroverse um Glandorfs WM-Absage: Bundestrainer "irritiert"


Holger Glandorf gestern im Spiel gegen Göppingen
Foto: Ingrid Anderson-Jensen
Martin Heuberger geht der Fall Holger Glandorf nah. Die WM-Absage des Rückraumspielers hat den Handball-Bundestrainer persönlich getroffen. Er kann nicht verstehen, wie der 29-jährige für die SG Flensburg-Handewitt in der Bundesliga glänzen kann, aber sich für die Nationalmannschaft nicht fit genug fühlt. "Wenn ein Spieler so angeschlagen ist, wie er es mir versucht hat, glaubhaft zu machen, muss er auch so konsequent sein und auf Spiele für seinen Verein verzichten. Er ist auf einem Top-Niveau im Moment. Deswegen war ich von der Absage irritiert", sagte Martin Heuberger am Montag in Leipzig.

"Glanzi", so der Spitzname von Glandorf, war zuletzt am Samstag mit zehn Treffern gegen Frisch Auf Göppingen der überragende Spieler bei der SG Flensburg-Handewitt. "Er gehört in die Nationalmannschaft. Er ist für mich der beste Rückraum-Rechte, den wir in Deutschland haben", urteilte der Bundestrainer. Deswegen wollte er den Weltmeister von 2007 auch unbedingt in seinem Team für die WM vom 11. bis 27. Januar in Spanien haben. Dafür war er zu Zugeständnissen bereit: Eingeschränktes Training, weniger Einsatzzeiten, ausreichend Regeneration. "Ich habe versucht, Holger Brücken zu bauen, wo immer es geht", berichtete Heuberger.

So eine Sonderrolle ist nicht neu in der Nationalmannschaft. Unter Heubergers Vorgänger Heiner Brand bekam Volker Zerbe eine ähnlich zuvorkommende Behandlung. Auswahllehrgänge brauchte der Linkshänder vom TBV Lemgo zum Beispiel nur in unmittelbarer Nähe der Saisonhöhepunkte mitzumachen. "Die damalige Nationalmannschaft hat das akzeptiert. Und das würde die heutige bei Holger auch", sagte Stefan Kretzschmar.

Der frühere Nationalspieler bedauerte Glandorfs WM-Absage. "Jeder deutsche Spieler, der sich in so einer Verfassung befindet und nicht für unsere Mannschaft spielt, tut uns weh. Ich verstehe seine Argumente - teilweise", sagte der Handball-Experte des Fernsehsenders Sport1 und ergänzte: "Zehn Jahre früher wäre so etwas nicht passiert."

Glandorf hatte seine letzten Länderspiele Anfang April bestritten. Im Rahmen dessen hatte er sich durch eine Injektion eine bakterielle Infektion an der Achillessehne zugezogen und musste dreimal operiert werden. Nach Vereinsangaben leidet er nun unter Bluthochdruck und Kreislaufproblemen und kann nur unter ärztlicher Aufsicht trainieren. Noch immer läuft eine juristische Auseinandersetzung zu dem Fall.

Daher steht in der Kontroverse auch die Frage im Raum, inwieweit Glandorfs Arbeitgeber SG Flensburg-Handewitt dessen WM-Verzicht beeinflusst hat. "Es ist eine bedrohliche Entwicklung, dass Vereine auf Spieler Druck machen in dem Sinne: Wenn du die Nationalmannschaft abschminkst, kannst Du zwei Jahre länger Profi-Sportler sein. Das ist eine Milchmädchenrechnung", sagte Kretzschmar, ohne explizit die SG Flensburg-Handewitt zu nennen.

Glandorf selbst hatte bereits in der vergangenen Woche mit Unverständnis und Enttäuschung auf die Kritik reagiert. In einer Pressemeldung hatte sein Verein mitgeteilt: "Holger Glandorf ist aus medizinisch eindeutigen Gesichtspunkten gar nicht in der Lage, eine weitere und dann durchgehende Belastung wie eine WM unbeschadet zu überstehen. Darüber sind auch die Ärzte des DHB von den SG-Ärzten Dr. Thorsten Lange und Dr. Torsten Ahnsel informiert worden", berichtet die SG. "Auschlaggebend ist nicht allein die langwierige Verletzung Holgers aus diesem Jahr gewesen, es sind vielmehr sportmedizinisch-internistische Gründe als Folgeerscheinung", so der Flensburger Arzt Dr. Ahnsel.

"Diese Entscheidung habe ich schweren Herzens getroffen", hatte Holger Glandorf in der Vorwoche erläutert und erklärt: "Ich brauche aber unbedingt den Januar um gemeinsam mit den SG-Ärzten meine körperlichen Probleme in den Griff zu bekommen. Ich stehe aber der Nationalmannschaft gerne wieder zur Verfügung, wenn es mir gelingt wieder vollständig gesund zu werden. Momentan geht es leider nicht." Zuvor hatte er bereits vor knapp vier Wochen entsprechenden Vorwürfen widersprochen: "Ich bin sehr enttäuscht über die Aussage so genannter Experten, die mir eine Unlust an der Nationalmannschaft vorwerfen, nur weil sie mich zwei Mal die Woche für dreißig Minuten auf dem Spielfeld sehen."

"Allein ich persönlich kann meinen Gesundheitszustand einschätzen. Ich habe immer betont, in die Nationalmannschaft zurückzukehren, wenn ich wieder gesund bin. Für mein Land zu spielen, ist nach wie vor eine große Ehre für mich", so Glandorf im November. "In der Vergangenheit habe ich grundsätzlich jedes Turnier gespielt - egal ob ich einen Meniskusriss, ein gebrochenes Gesicht oder Probleme mit der Achillessehne hatte. Da lasse ich mir eine mangelnde Einstellung zur Nationalmannschaft nicht vorwerfen", bekräftigte der Rückraumrechte.

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