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Statt einer roten Karte mit Bericht gibt es in den letzten 30 Sekunden eine rote Karte und Strafwurf
Foto: Michael Heuberger
Freitag · 24.06.2016 · 17:00 Uhr · Julia Nikoleit - handball-world.com

Die neuen Regeln unter der Lupe - Folge 5: Letzten 30 Sekunden

Blaue Karte, passives Spiel, der Umgang mit verletzten Spielern sowie die letzte Minute und der siebte Feldspieler: Die fünf Regeländerungen des Weltverbandes IHF sind ab 1. Juli 2016 gültig. In dieser Woche nimmt die Redaktion von handball-world.com jede Anpassung einzeln unter die Lupe. Die letzte Folge widmet sich heute den letzten 30 Sekunden …

Aus der letzten Spielminute werden die letzten 30 Sekunden - und statt einer roten Karte mit Bericht gibt es eine Disqualifikation plus Strafwurf: Die fünfte vorgestellte Regeländerung dürfte den meisten Handball-Fans in Deutschland bereits ein Begriff sein. Die Bundesligen der Männer und Frauen testeten diese Regel in der abgelaufenen Spielzeit - und durch das darauf basierende Wiederholungsspiel im DHB-Pokal wurde die Änderung bereits viel diskutiert. Nun kommt die Regeländerung endgültig - in allen Spielklassen Deutschlands und auch im DHB-Pokal.

In Kurzform lässt sich die entsprechende Regeländerungen wie folgt zusammenfassen:
Der Wortlaut “letzte Spielminute” in den Regeln 8:5, 8:6, 8:10c und 8:10d wird durch die “letzten 30 Sekunden des Spiels” ersetzt. Begeht ein Abwehrspieler in den letzten dreißig Sekunden eine grobe Regelwidrigkeit oder unterbindet regelwidrig eine Wurfausführung (Anwurf, Abwurf, Freiwurf, Einwurf), erhält er nun eine rote Karte ohne Bericht - und die andere Mannschaft automatisch einen Siebenmeter.

„Diese Regel ist eine sehr, sehr gerechte Lösung, weil sie auf das unmittelbare Spielergebnis Einfluss hat“, zeigt sich DHB-Schiedsrichterlehrwart Jürgen Rieber zufrieden mit der Neuerung. Vor vier Jahren habe man bereits etwas gegen die Unsportlichkeiten in der letzten Spielminute unternehmen wollen. „Es gab eine rote Karte mit Bericht, aber sonst nichts“, bilanziert der Ex-Bundesligaschiedsrichter kritisch. „Der Spieler wurde zwar gesperrt, aber die Mannschaft hat ihren Punkt oder Sieg trotzdem errungen. Das, was wir erreichen wollten - nämlichen eine Abschreckung durch die Sperre -, wurde nicht erreicht.“

An diesem Punkt setzt die Regeländerung an: Anstatt einer automatischen Sperre durch die rote Karte mit Bericht gibt es die Disqualifikation in Zukunft ohne Bericht - und stattdessen erhält die andere Mannschaft einen Strafwurf. „Wir sprechen nicht vom Siebenmeter, sondern vom Strafwurf“, erläutert Rieber. „Es ist eine Strafe dafür, dass jemand in den letzten 30 Sekunden eine schnelle Mitte oder eine Wurfausführung verhindert oder sehr hart gespielt hat.“

Die Siebenmeter-Regelung umfasst jedoch keineswegs jedes Foul in den letzten dreißig Sekunden: „Festmachen ist weiterhin ein einfacher Freiwurf“, stellte Manfred Prause, Vorsitzender der Regel- und Schiedsrichterkommission der IHF, bereits im Oktober 2015 gegenüber handball-world.com http://www.handball-world.com/o.red.c/news-1-1-1-74839.html klar. „Es kann ja nicht sein, dass in den letzten dreißig Sekunden jedes Foul in der Spielfortsetzung ein Siebenmeter ist. Nur Fouls, die sowieso eine rote Karte nach sich ziehen, sind von der Änderung betroffen - ansonsten dreht sich die Regel um Vergehen, wenn der Ball nicht im Spiel ist.“

In der Praxis soll das wie folgt aussehen: „Nach dem Time Out gehen die Schiedsrichter zusammen - natürlich sprechen sie schon vorher über Headset, aber wir wollen das körperliche Zusammenlaufen - und beraten sich kurz“, erläutert Rieber. „Wenn sie sich für eine Disqualifikation entscheiden, disqualifizieren sie den Spieler, gehen noch einmal zum Tisch und sagen das an und erst dann gehen sie zur Siebenmeterlinie. So soll gezeigt werden: Das ist eine Strafe für das Vergehen.“

Die Verkürzung des Zeitraumes von der "letzten Spielminute" auf die "letzten 30 Sekunden" ist einfach erklärt: Eine Spielminute ist zu lang; es passiert zu viel. "Die finale Entscheidung wird erst spät gesucht", erklärt Rieber und auch Prause betont: "Eine Minute war einfach zu lang. Früher konnte man in einer Minute vielleicht noch ein Tor erzielen, heute sind - dank der schnellen Mitte - zwei oder sogar drei möglich. Daher haben wir die Zeitspanne reduziert und das hat sich bewährt."

Weitere Merksätze:

> Die Regel gilt zum Ende der regulären Spielzeit und zum Ende der Verlängerungen (59:30 – 60:00; 69:30 – 70:00; 79:30 – 80:00).

> Sollte der gefoulte Spieler noch ein Tor erzielen, hebt das den Strafwurf auf.

> Eine rote Karte mit Bericht - in Zukunft verdeutlicht durch die blaue Karte - ist in den letzten 30 Sekunden zwar kein Muss mehr; aber natürlich kann es sie weiterhin geben, wenn das Foul entsprechend schwer war.

> An den bisherigen Merkmalen und Kriterien der Regeln 8:10c und 8:10d ändert sich nichts

Die neue Regel zu den letzten 30 Sekunden auf einen Blick:

Was beinhaltet die Regel?
Der Wortlaut “letzte Spielminute” in den Regeln 8:5, 8:6, 8:10c und 8:10d wird durch die “letzten 30 Sekunden des Spiels” ersetzt. Begeht ein Abwehrspieler in den letzten dreißig Sekunden eine grobe Regelwidrigkeit oder unterbindet regelwidrig eine Wurfausführung (Anwurf, Abwurf, Freiwurf, Einwurf), erhält er nun eine rote Karte ohne Bericht - und die andere Mannschaft automatisch einen Siebenmeter.

Wo wird die Regel angewendet?
In allen Alters- und Spielklassen des Deutschen Handball-Bundes

Was soll die Regel bewirken?
Unsportliches Verhalten oder schwerwiegende Fouls in der letzten Spielminute vermeiden/verringern und die regelwidrig verhinderte Angriffschance durch den Strafwurf wiederherstellen.

Im Wortlaut der IHF: Letzte 30 Sekunden

Information:
Der Zweck dieser im Jahr 2010 geänderten Regel war es, unsportliches Verhalten oder schwerwiegende Fouls in der letzten Spielminute zu vermeiden oder zu verringern und der unterlegenen Mannschaft auch die Möglichkeit zu geben, das Spiel auszugleichen oder zu gewinnen, um somit die Spannung bis zur letzten Sekunde zu erhalten. Allerdings hatte dies nur teilweisen Erfolg, und wir sehen weiterhin, wie Mannschaften schwerwiegende Aktionen durchführen, um ein Spiel zu gewinnen, unabhängig von der Tatsache, dass einer ihrer Spieler für das nächste Spiel gesperrt wird. Zusätzlich wird ein Zeitraum von einer Minute als zu lang für diese Regel angesehen (in einer Minute ist es möglich, zwei oder mehr Tore zu erzielen).


Vereinbarung:
  • Statt in der letzten Minute gelten die speziellen Bestimmungen nur in den letzten 30 Sekunden.
  • Die Regeln zu den letzten 30 Sekunden werden am Ende der regulären Spielzeit und am Ende der ersten und der zweiten Verlängerung angewandt.

Regeln 8:5, 8:6, 8:10c,d werden wie folgt angepasst:
  1. Der Wortlaut “letzte Spielminute” wird durch die “letzten 30 Sekunden des Spiels” ersetzt.
  2. Ein Foul gemäß Regel 8:10c (Ball nicht im Spiel) wird mit Disqualifikation ohne schriftlichen Bericht bestraft und der gegnerischen Mannschaft wird ein 7-m-Wurf zugesprochen.
  3. Ein Foul gemäß Regel 8:10d (Ball im Spiel) in Verbindung mit Regel 8:5 wird mit Disqualifikation ohne schriftlichen Bericht bestraft und der gegnerischen Mannschaft wird ein 7-m-Wurf zugesprochen.
  4. Ein Foul gemäß Regel 8:10d (Ball im Spiel) in Verbindung mit Regel 8:6 wird mit Disqualifikation mit schriftlichem Bericht bestraft und der gegnerischen Mannschaft wird ein 7-m-Wurf zugesprochen.

In den Fällen 3) und 4) gilt Folgendes:
5.1. Der Angreifer ist in der Lage, ein Tor zu werfen: Kein 7-m-Wurf 5.2. Der Angreifer passt den Ball, sein Mitspieler erzielt kein Tor: 7-m-Wurf 5.3. Der Angreifer passt den Ball, sein Mitspieler erzielt ein Tor: Kein 7-m-Wurf

Videobeispiel 1: Pokal-Viertelfinale zwischen den Löwen und Melsungen

Timm Schneider verhindert den schnellen Abwurf der Löwen, die Schiedsrichter sprechen den Mannheimern einen Siebenmeter zu. Theoretisch korrekt, praktisch nicht, da die Regel in der vergangenen Saison nur im Ligabetrieb und nicht im DHB-Pokal galt …



Videobeispiel 2: Regeländerung beschert Deutschland WM-Bronze

Nach dem ägyptischen Führungstreffer hätte Deutschland das kleine Finale der Junioren-WM wohl verloren, wenn der ägyptische Spieler den Anwurf nicht gestört hätte. Die Folge: Disqualifikation und Siebenmeter - und am Ende holte Deutschland Bronze …



Videobeispiel 3: Anwurf unterbinden = Disqualifikation und Siebenmeter



Videobeispiel 4: Ausführung eines Freiwurfs behindern = Disqualifikation und Siebenmeter



Videobeispiel 5: Beispiel für korrekte Anwendung der neuen Regel

Disqualifikation gemäß Regel 8:5 in den letzten 30 Sekunden => Anwendung Regel 8:10d + Strafwurf Entscheidung der Schiedsrichter korrekt






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