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Donnerstag · 24.05.2012 · 20:34 Uhr · fcb

34:28 gegen US Dunkerque: Der EHF-Pokal bleibt in Göppingen!

Göppingen bejubelt den Pokalerfolg
Foto: Stephan Weber

Oben auf: Momir Rnic
Foto: Michael Heuberger
26:26 (13:15) hatte das Hinspiel geendet. Am heutigen Donnerstag stand das Rückspiel um den in dieser Form letztmals ausgetragenen EHF-Pokal an. Durch die Punkteteilung im ersten Duell war die Entscheidung zwischen Göppingen und US Dunkerque auf das Rückspiel vertagt worden. Am Ende der insgesamt 120-minütigen Schlacht brachen in der Göppinger EWS Arena alle Dämme: Frisch Auf! Göppingen verteidigt nach einem 34:28 (15:14)-Sieg im Rückspiel den EHF-Pokal und stürzt die Kreisstadt im Filstal in einen kollektiven Freudentaumel. Dabei war auch das Rückspiel lange spannend und dramatisch gewesen. Erst nach 40 Minuten konnte sich Göppingen Vorteile verschaffen und zog auf fünf Tore davon. Diesen Rückstand konnte der Gegner aus Westfrankreich nicht mehr wettmachen, zumal Bastian Rutschmann mit 15/1 Paraden das Göppinger Tor zumauerte. Morgen wird ab 17:30 Uhr mit den Fans auf dem Marktplatz gefeiert.

Wie erwartet war bei US Dunkerque der nach seinem Fingerbruch wieder genesene Angreifer Sebastien Bosquet von Anfang an auf der Platte. Respekt entwickelte Göppingen jedoch nicht. Das Kreisläuferspiel des Kontrahenten aus Westfrankreich hatten die Schwaben recht gut im Griff: Christian Schöne schnappte sich vor dem 2:0 (3.) das Spielgerät und eilte nach vorne. Aber Dunkerque blieb dran, und beim 3:2 (5.) stellte Sebastien Bosquet seine individuelle Klasse erstmals unter Beweis. Er konnte die fehlende Spielpraxis aber nicht verbergen. Insgesamt waren die Angriffe beider Teams in dieser frühen Phase von vielen Einzelaktionen geprägt. Dabei hatte Göppingen in Bastian Rutschmann, der später über sich hinauswuchs, schon früh einen starken Rückhalt und lag deswegen mit 5:2 vorn (9.).

Allzu schnell schmolz dieser Vorsprung danach aber auf null zusammen. Die Dopplung gegen Thiede schmeckte Göppingen gar nicht. Gerard parierte gegen Schöne und Bosquet markierte das 5:5 (11.). Velimir Petkovic wechselte, stellte Rnic auf die Mitte und schickte Horak für Mrvaljevic aufs Feld. Tim Kneule übernahm den Part gegen Bosquet. Es war eine Phase, in der beide Teams immer wieder Lösungen gegen die Abwehrformation fanden. Tor um Tor fiel, die Partie lag auf Unentschieden, wobei Göppingen stets vorlegte und beim 10:8 (16.) durch Rnic wieder mit zwei Toren vorn lag. Zunehmend schien dabei auch die EWS Arena zum Faktor zu werden, der Lärmpegel stieg. Doch zunächst gewann US Dunkerque mit einer offensiven Deckung eine Überzahl, Rnic vergab danach einen Strafwurf.

Die Emotionen spielten eine große Rolle in der Partie, der freche Rechtsaußen Jaleleddine Touati markierte bei 4:6-Unterzahl den 10:10-Konter für die Franzosen. Mit solchen Nadelstichen gelang es Dunkerque mehrmals, die Hitze in der EWS Arena zu verringern. Göppingen existierte davon, dass die Fans jede gelungene Aktion feierten und ihr Team antrieben. Beiden Teams war indes die große Anspannung immer wieder anzumerken, die Ballsicherheit im Spiel nach vorne war gering. Wenn der Ball aber einmal lief, war es ein technisch versiertes Spiel, in dem Velimir Petkovic die Gegenstöße der Franzosen weiter Kopfzerbrechen bereiteten. Beim 13:13 (26.) schafften die Gäste den abermaligen Ausgleich. Rutschmann, zwei Paraden gegen Butto, verhindete den Rückstand.

Velimir Petkovic wollte nicht mehr hinsehen und griff zur grünen Karte. Dunkerque war vier Minuten vor der Pause drauf und dran das Spiel zu drehen, zumal Göppingen in doppelter bzw. einfacher Unterzahl agieren musste. Die Schwaben gingen aus der Besprechung gestärkt hervor. Die Zuordnung in der Abwehr war besser und Rnic führte die Gastgeber mit zwei schnellen Toren wieder weg. 80 Sekunden vor der Pause war es somit an Dunkerques Trainer Patrick Cazal, sein Team zusammen zu rufen. Benjamin Afgour am Kreis kämpfte sich frei und schickte Horak für zwei Minuten vom Feld. Das war der letzte Treffer der ersten Hälfte: Göppingen konnte sich bisher nicht so recht mit der Linie der beiden rumänischen Schiedsrichter anfreunden, lag zur Pause jedoch knapp mit 15:14 vorn.

Im Hinspiel hatte US Dunkerque zu Beginn der zweiten Hälfte aufgedreht. Heute stellte eine gestaffelte Deckungsformation den Göppingern eine neue Aufgabe. Dunkerque gewann nach einem Stürmerfoul den Ball, blieb vorne aber glücklos, denn die Gastgeber antizipierten zunächst ebenfalls gut: Tim Kneules und Christian Schönes Gegenstöße zum 17:14 (33.) senkten den Puls der Göppinger Fans etwas. Die Schwaben schienen das Spiel zu machen und fünf Minuten später stand die Hölle Süd nach einer starken Rutschmann-Parade. In Unterzahl hatte Göppingen die Möglichkeit zum 20:16 (38.). Dunkerque-Schlussmann Vincent Gerard verhinderte zwar diesen Big Point, aber bei dem 20:17-Freiwurf von Momir Rnic war Gerard machtlos. Rutschmann parierte, Mrvaljevic und Schubert legten nach.

Mit fünf Toren lag Göppingen also vorne, als Patrick Cazal 19 Minuten vor Schluss seine zweite Auszeit nahm, um die Gastgeber nicht in einem Spielrausch zu entlassen. Göppingen war danach sichtlich außer Tritt, zumal Dunkerque wieder aufwändiger deckte und weite Wege ging. Rutschmann und Späth wirkten beruhigend auf ihre Mitspieler ein. Das Signal schien anzukommen, Mrvaljevic behielt beim 23:18-Strafwurf (45.) die Nerven, Bastian Rutschmann parierte einen Strafwurf und Pavel Horak erhöhte in Überzahl auch sechs. Göppingen war jetzt emotional obenauf, trotz einer Manndeckung gegen Momir Rnic. Dunkerque stemmte sich mit physischer Macht gegen die Niederlage, kam jedoch nicht heran. Thiede stellte zehn Minuten vor Schluss auf 27:21.

Allen war klar, dass US Dunkerque sich nicht so leicht aufgeben würde. So war der Pokalsieg keineswegs in trockenen Tüchern. Kleinigkeiten konnten die Franzosen ins Spiel zurückbringen. Dunkerque wollte sich vor allem über die Abwehr ins Spiel zurückkämpfen, vor allem Manuel Späth musste einstecken. Dann machte Patrick Cazal den Fehler, die Deckung zu öffnen, ohne dass sein Team in der Offensive den Respekt vor Rutschmann abgelegt hatte. Horak und Kneule, der klasse Regie führte, übernahmen die Initiative und sorgten beim 31:24 (56.) für die frühe Vorentscheidung. Während der letzten drei Spielminuten feierten die Fans die Pokalverteidigung mit stehenden Ovationen und genossen kurz vor dem 34:28-Schlusspfiff und der emotionalen Feier des Triumphs auch den Comeback-Treffer von Dragos Oprea.





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