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01/25/2009 - Christian Ciemalla - handball-world.com
Am Ende fehlt das Glück: Deutschland verliert Kraus und Hens und Spiel gegen Norwegen
Michael Kraus wurde mit einer Trage vom Parkett gebracht. Befürchtet wird ein Riß der Außenbänder im Knöchel. Photo: Michael Heuberger
Die DHB-Auswahl durchlebte im Spiel gegen Norwegen eine Achterbahnfahrt: Mitte der zweiten Halbzeit sah es nach dem angestrebten Sieg und dem vorzeitigen Einzug in das Halbfinale aus, dann aber verletzte sich nach Pascal Hens auch noch Michael Kraus, befürchtet wird ein Riss der Außenbänder im Knöchel. Auch dank des starken Silvio Heinevetter blieb Deutschland im Spiel, scheiterte in den Schlußminuten dann aber wieder am ebenfalls überzeugenden Steinar Ege. Deutschland kämpfte, Kaufmann gelang noch einmal der Anschluß und das Team erkämpfte sich erneut den Ball. Die nicht immer sicheren slowenischen Schiedsrichter ließen aber den folgenden Einwurf zweimal wiederholen, ohne die Uhr anzuhalten und nahmen Deutschland so die Chance zum Ausgleich. Vor allem Bundestrainer Heiner Brand zeigte sich nach der knappen 24:25-Niederlage verärgert: "Dass man da etwas aggressiver wird gegenüber den Schiedsrichtern wird, ist ganz klar."
Deutsche Spieler bedrängen die Schiedsrichter Photo: Christopher Monz
Ein Handballspiel dauert sechzig Minuten, doch manchmal lassen die letzten Minuten oder Sekunden des Rest des Spiels vergessen. So auch heute. Heiner Brand stürmte mit erhobener Faust auf das Parkett in Richtung Schiedsrichter, die Spieler schwankten zwischen Wut und Enttäuschung. Deutschland hatte zahlreiche Rückschläge hinnehmen müssen, unter anderem die Verletzungen von Pascal Hens und Michael Kraus, der mit einer Trage vom Parkett und in ein Krankenhaus transportiert werden musste - befürchtet wird ein Bänderriss. Deutschland hatte aber auch zahlreiche Chancen aus der Hand gegeben, das Spiel für sich zu entscheiden. Doch mit Kampfkraft kam das deutsche Team in den Schlußminuten ins Spiel zurück, vergab erneut eine Chance und erkämpfte sich eine neue. Doch diese allerletzte wurde dem DHB-Team durch das slowenische Schiedsrichtergespann genommen.
Diese hatten auf Ballbesitz Deutschland entschieden, dem ersten Anschein nach aufgrund eines technischen Fehlers. Doch die Slowenen hatten geahndet, dass der norwegische Spieler ins Seitenaus gerutscht war. Sie ließen Schöne den Freiwurf wiederholen und pfiffen wieder zurück, als Schöne dann den Ball durch den geforderten Einwurf ins Spiel bringen durfte, war die Zeit abgelaufen. "Das ist ein Witz", kommentierte der Kieler Dominik Klein die mehrmalige Wiederholung des Einwurfs. "Ich habe keine Ahnung, was sie hier gegen uns haben", schimpfte auch der durch eine Oberschenkelverletzung gehandicapte Pascal Hens. "Anscheinend wollen sie uns nicht im Halbfinale sehen", so der Hamburger. "Ich sage sonst nichts gegen Schiedsrichter, aber jetzt geht es mir langsam auf den Sack." Auch der Bundestrainer zeigte sich ungehalten, stürmte mit erhobener Faust nach Spielende auf das Parkett: "Dass man da etwas aggressiver gegenüber den Schiedsrichtern wird, ist ganz klar. Ich habe mich aber schon während der Partie wegen der Verletzung von Mimi Kraus aufgeregt", meinte Brand, der sich auch anderthalb Stunden nach den turbulenten Szenen auf dem Parkett noch nicht beruhigt hatte. "Da kommen einem schon mal Gedanken, ob man die Karriere beenden sollte. Normal müssten die sich schämen, so etwas zu pfeifen", schimpfte er.
Doch zurück zu den Minuten zuvor. Die deutsche Auswahl begann mit Silvio Heinevetter, der bei seinem ersten WM-Einsatz gleich Akzente setzte und ein starker Rückhalt seines Teams war. Dieses lief zunächst einem Rückstand hinterher, mehrfach gelang der Ausgleich, doch der Führungstreffer wollte nicht fallen. Die Deckung stand dabei ordentlich, vor allem aber hielten die Paraden von Silvio Heinevetter das deutsche Team im Spiel, unter anderem gegen Tvedten parierte der deutsche Schlußmann mehrfach spektakulär. Probleme bereitete der deutschen Auswahl unterdessen vor allem der norwegische Kreisläufer Frank Loke, der mehrfach traf oder nur auf Kosten eines Strafwurfs gestoppt werden konnte. Nach achtzehn Minuten gab es für das deutsche Team dann aber den ersten Rückschlag, Pascal Hens verletzte sich am Oberschenkel. Die erste Diagnose lautete auf eine Verhärtung, für ihn kam Kaufmann.
Doch dann Schöne traf zum 9:9 und der starke Kristian Kjelling kassierte auf norwegischer Seite früh seine zweite Strafzeit. Deutschland vergab aber eine mögliche Führung, auch weil zuviele gute Einwurfmöglichkeiten vergeben wurden. Als Jansen dann einen Heber von der Siebenmeterlinie an die Latte setzte und auf der Gegenseite Samdahl das 9:11 erzielte, nahm Heiner Brand seine Auszeit. Er ordnete das deutsche Spiel neu, mit Erfolg. Preiß beendete die deutsche Durststrecke, trotz einer Zeitstrafe gelang es Deutschland zur Halbzeit auszugleichen. Heinevetter kaufte Tvedten einen Gegenstoß ab, Schöne gelang ein sehenswerter Herber und Kaufmann ein Gewaltwurf zum 12:12-Pausenstand.
Kaufmann begann auch in der zweiten Halbzeit und als er den Ball zum 16:13 in die Maschen des norwegischen Tors hämmerte, schien Deutschland auf dem besten Wege in Richtung Halbfinale. Doch Deutschland vergab nun mehrere gute Möglichkeiten, hinzu kamen technische Fehler und so hieß es in der vierzigsten Minute wieder 16:16-Unentschieden. Norwegen übernahm zwischenzeitlich sogar wieder die Führung und in diesem Moment gab es den nächsten Rückschlag für Deutschland. Michael Kraus kreuzte vor der norwegischen Deckung, wurde von Stian Vatne gestoßen. Der deutsche Spielmacher knickte mit dem bereits aufgrund einer Wadenverletzung angeschlagenen linken Bein um, blieb mit schmerzverzerrten Gesicht liegen. Seine Zeichen direkt nach der Verletzung schienen eindeutig, Außenbänder im Knöchel gerissen. Mit einer Trage musste Kraus aus der Halle gebracht werden, es ging direkt ins Krankenhaus.
Die deutschen Spieler waren bei Kraus, der seine Mitspieler noch einmal zu motivieren versuchte. Pascal Hens kam beispielsweise zurück auf das Parkett, wirkte aber eindeutig eingeschränkt, schien nicht abspringen zu können. Wie im gestrigen Spiel gegen Serbien wollte es das deutsche Team über den Willen erzwingen - trotz aller Rückschläge. Glandorf ließ mit einem Doppelschlag die Führung wieder zu Deutschland wechseln, Heinevetter ließ unterdessen die norwegischen Werfer verzweifeln. Doch dann gab es den nächsten Rückschlag für das deutsche Team.
Heiner Brand hatte bereits zuvor mehrfach reklamiert, dass seine Rückraumspieler nicht geschützt würden und somit die slowenischen Schiedsrichtern Krstic/Ljubic, eigentlich ein international erfahrenes Gespann, kritisiert. Dieses griff nun gegen einen deutschen Spieler durch, Jens Tiedtke wollte sich in der Offensive gegen Johnny Jensen etwas Raum verschaffen. Er versuchte Jensen wegzuschieben, traf den norwegischen Abwehrspezialisten, dem im ersten Abschnitt ein Tor gelungen war, aber im Gesicht. Die Slowenen zogen direkt Rot, eine vertretbare, aber harte Entscheidung.
Kjelling glich für Norwegen aus, doch Hens versuchte es aufgrund des fehlenden Sprungvermögens aus der Hüfte und hatte Glück - die erneute Führung. Doch damit nicht genug, Dominik Klein scheiterte zwar zunächst im Gegenstoß, traf dann aber mit einem sehenswerten Dreher von Außen. Keine sieben Minuten bis zum Spielende, Deutschland schien sich retten zu können. Doch nun drehte bei Norwegen Kjelling auf, tankte sich durch die deutsche Deckung und glich mit einem Doppelschlag aus. Bei beiden Treffern wollte die deutsche Bank unterdessen Schrittfehler gesehen haben. Das Spiel stand auf des Messers Schneide, bei Deutschland kassierte Michael Müller fragwürdige Zwei-Minuten. Müller hatte bei einem Foul von Roggisch neben diesem gestanden und kassierte dessen Strafzeit. Für Roggisch wären es die dritten gewesen, insofern war bei dieser strittigen Entscheidung sogar noch das Glück auf der deutschen Seite. Auf der Gegenseite bediente Martin Strobel Preiß am Kreis, der zuvor eine Groß!
chance vergeben hatte. Jensen riß Preiß um - Siebenmeter für Deutschland. Jansen war in der ersten Halbzeit an der Latte gescheitert, danach hatte Kraus verwandelt, doch der war auf dem Weg in Richtung Krankenhaus. So nahm sich erneut Jansen den Ball und setzte ihn an den Pfosten. Eine vorentscheidende Situation, denn auf der Gegenseite traf Tvedten und brachte Norwegen wieder in Front.
Deutschland versuchte es in Unterzahl mit der Brechstange, Klein scheiterte aus dem Rückraum. Kjelling sorgte auf der Gegenseite für das 24:22, die Vorentscheidung zu Gunsten Norwegens schien gefallen. Zumal Christian Schöne wenig später am überragenden Steinar Ege scheiterte. Doch Samdahl verlor den Ball und Klein erzielte im Gegenstoß den Anschluß. Dass Robert Hedin für seine Kritik eine Strafzeit gegen die Bank kassierte, ließ die deutschen Hoffnungen noch einmal aufleben, doch Tvedten traf trotz Unterzahl. Heiner Brand nahm seine Auszeit, die unglaubliche Schlußminute begann. Kaufmann und Strobel wurden geblockt, Glandorf und Klein schienen den Ball zurückerobert zu haben, doch Robert Hedin hatte rechtzeitig seine Auszeit genommen.
Doch Klein gewann den Ball erneut, diesmal traf Kaufmann. Noch waren sechzehn Sekunden zu spielen, Deutschland erzwang mit einer offenen Manndeckung einen erneuten Ballverlust. Doch die verbleibenden elf Sekunden verstrichen, da die Schiedsrichter einen Einwurf zweimal wiederholen ließen und die Uhr dafür nicht stoppten. Klein versuchte es noch mit einem Wurf aus fast zwanzig Metern, doch dieser wurde ausgerechnet vom deutschen Kreisläufer Sebastian Preiß geblockt - vermutlich hätte der starke Ege den Ball diesen Verzweifelungswurf aber auch pariert. Norwegen feierte, Deutschland schwankte zwischen Enttäuschung und Wut.
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