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Season 2009-2010 | 8.Matchday | 01/27/2009, 17:30
LogoGermany - DenmarkLogo
25:27 (14:14)
Zadar - Sports Center Visnjik (Spectators: 3000)
Referee: Constantin Din, Sorin-Laurentiu Dinu
01/27/2009 - Christian Ciemalla - handball-world.com
Deutschland bleibt nach großem Kampf das Halbfinale verwehrt

Bundestrainer Heiner Brand haderte wieder mit den Schiedsrichterentscheidungen in der Schlußphase
Photo: Christian Ciemalla
Einen großartigen Kampf zeigte das deutsche Team gegen eine nicht immer überzeugende dänische Auswahl. Auch im dritten Hauptrundenspiel gab es dabei eine hitzige Schlußphase, bei der sich der DHB-Tross in der Schlußminute wieder von den Schiedsrichtern benachteiligt sah. Diese hatten zunächst Dänemark fast zwei Minuten in Unterzahl kombinieren lassen und dann auf einen Einwurf entschieden, obgleich Johannes Bitter die Finger noch am abgefälschten Wurf hatte. Dem deutschen Team wurde aber auch die einige Unerfahrenheit zum Verhängnis, so wurde auch die dritte enge Partie auch aufgrund eigener Fehler aus der Hand gegeben. Trotz einer beachtlichen Leistung steht das deutsche Team so mit leeren Händen da, Siodmiaks Treffer in das verwaiste norwegische Tor brachte Polen am Ende das Halbfinalticket. Nur Sekunden fehlten an dem von Deutschland benötigten Unentschieden.

Es war das dritte Spiel der Hauptrunde, es wurde der dritte Thriller. Ein Herzschlagfinale und wie bei der Niederlage gegen Norwegen standen die deutschen Spieler am Ende fasungslos auf dem Parkett. Sie hatten eine grandiose Leistung geliefert, beim 25:25 schien die Sensation, der Halbfinaleinzug, trotz der Verletzung von Michael Kraus möglich. Mit einer konzentrierten Deckungsarbeit und viel Herz in der Offensive hatte Deutschland die Partie gegen den Europameister ausgeglichen gestaltet, hätte bei konsequenterer Chancenverwertung sogar eine Führung mit in die Schlußphase nehmen können. Kaufmann hatte das 25:25 erzielt, Mogensen eine Zwei-Minuten-Strafe kassiert und nun sollte das Schicksal seinen Lauf nehmen. Schicksal spielten dabei auch die bis dato ordentlich leitenden rumänischen Schiedsrichter. Deutschland hatte zuvor zweimal vergebens einen Siebenmeter bei Aktionen von Dominik Klein gefordert und das Gefühl der Benachteiligung steigerte sich nun auf der deutschen Bank.

Die Sekunden rannen herunter, fast eine Minute dauerte es, bis die Schiedsrichter gegen die kurz vor Spielende bei Unentschieden in Unterzahl agierenden Dänen den Arm hoben und passives Spiel anzeigten. Dänemark suchte nun den Abschluß, wurde geblockt, bekam einen Freiwurf, wurde noch zweimal abgeblockt - und blieb weiterhin in Ballbesitz. Johannes Bitter im deutschen Tor hatte Probleme die Ruhe zu bewahren, deutlich hatte er den von der deutschen Deckung abgefälschten Wurf noch berührt. Doch die Schiedsrichter entschieden auf Ecke. Und nun wurde der deutschen Auswahl auch ihre Unerfahrenheit zum Verhängnis. Wieder durften die Dänen mehrere Pässe spielen, bevor Hans Lindberg in Richtung Außenlinie lief. Anstatt ihn aus unmöglichem Winkel werfen zu lassen, bedrängte ihn nun aber Michael Strobel - der zuvor eine starke Leistung als Spielmacher gezeigt hatte. Strobel kassierte zwei Minuten, die deutsche Überzahl war dahin. Nach offizieller Statistik genau mit dem Ende der Strafzeit von Mogensen brachte Klavs Bruun Jörgensen den Ball dann im deutschen Netz unter. Dänemark hatte die komplette Strafzeit einen Angriff ausspielen dürfen.

Deutschland versuchte es mit dem Mute der Verzweifelung, zumindest ein Unentschieden, das die Chancen auf das Halbfinale verbessern würde, sollte her. Doch Jansen scheiterte und auf der Gegenseite sorgte Mikkel Hansen für die endgültige Entscheidung. Deutschland hatte es selbst in der Hand, hatte aber die Möglichkeiten vergeben, den Sieg und somit den Halbfinaleinzug sicherzustellen. In der Schlußphase war das Halbfinale dennoch weiterhin in Reichweite, der Griff nach ihm gelang aber nicht - auch aufgrund der strittigen Entscheidungen der Schiedsrichter. "Das grenzt schon fast an Betrug", schimpfte der aus Göppingen beim Sender RTL live zugeschaltete verletzte Spielmacher Michael Kraus. "Wir sind ganz klar benachteiligt worden. So eine Leistung darf auf internationaler Bühne nicht sein. Die Schiedsrichter haben uns um unseren Traum gebracht", wetterte auch Torwart Johannes Bitter.

"Ich denke, irgendwann werden wir das zurückbekommen", meinte Trainer Heiner Brand, nachdem er seinen Jungs noch auf dem Parkett eine "sensationelle Leistung" attestiert hatte. "Dominik Klein hat zumindest einen, wenn nicht zwei Siebenmeter verdient. Jogi Bitter ist mit der Hand am Ball. Der Feldschiedsrichter sieht dieses auch, im nach hinein bestreitet er das natürlich wie immer in solchen Fällen. Das hätte schon gereicht, um das Spiel nach Hause zu fahren", so Brand weiter. "Wenn wir jetzt um Platz fünf spielen, ist das mehr als erwartet", zog der Bundestrainer trotz allem ein positives Turnierfazit.



Heiner Brand hatte seine Mannschaft als Außenseiter in die entscheidende Partie gegen Dänemark geschickt, das Finale vor dem Halbfinale sozusagen. Ein Sieg hätte Deutschland sicher in das Halbfinale gebracht, ein Unentschieden hätte polnische Schützenhilfe notwendig gemacht und bei einer Niederlage bestand zumindest noch die theoretische Hoffnung auf ein Unentschieden im abschließenden Spiel der Gruppe zwischen Polen und Norwegen. Die deutschen Chancen hatten dabei durch die Verletzung von Michael Kraus einen erheblichen Dämpfer erhalten. Der mit einer Oberschenkelverletzung angeschlagene Pascal Hens versuchte es unterdessen und setzte gleich ein Zeichen. Der Hamburger ging sofort in den Zweikampf, wurde gestoppt. Hens ging erneut auf die Deckung und traf zum umjubelten 1:0. Das deutsche Team zeigte mit seiner Körpersprache von der ersten Minute an, dass es gewillt war, den Dänen einen Kampf bis zur letzten Sekunde zu liefern. Dem deutschen Spiel schien es dabei gut zu tun, dass das DHB-Team nichts zu verlieren hatte. Glandorf aus dem Rückraum und Jansen im Gegenstoß, beim 3:1 schien nach vier Minuten alles nach Plan für die Auswahl von Heiner Brand zu laufen, in die auch der zuvor aufgrund einer Grippe pausierende Stefan Schröder zurückgekehrt war.

Deutschland leistete sich nun eine Schwächephase, zahlreiche Positionswechsel und viel Bewegung hatten zuvor für deutschen Wurfchancen gesorgt. Schröder vergab nun aber gegen Hvidt und Strobel scheiterte mit dem Nachwurf. Hvidt wurde zum Rückhalt des dänischen Teams beim 3:5 und 5:7 führte der Europameister sogar mit zwei Toren. Deutschland zeigte sich davon aber unbeeindruckt, zumal auch Johannes Bitter nun einige starke Szenen hatte und in der Folge das Duell der Torhüter gegen Hvidt ausgeglichen gestalten konnte. Die Partie befand sich dabei nicht auf höchstem spielerischen Niveau, war aber packend und lebte von Kampf und Spannung. Ein Doppelschlag von Sebastian Preiß sorgte beim 8:7 wieder für die deutsche Führung, doch diese holte sich Dänemark beim 9:10 wieder zurück. Brand hatte unterdessen reagiert, der durch seine Oberschenkelverletzung vor allem im Sprung merklich gehandicapte Pascal Hens ging raus, Lars Kaufmann kam. Und Kaufmann fügte sich gleich mit einem sehenswerten Treffer ein, Erinnerungen an Jan-Olaf Immel wurden wach. Der war 2004 bei der EM gegen Dänemark von der Auswechselbank mit sieben Rückraumtreffern zum Matchwinner beim 22:20-Erfolg geworden.

Strobel warf Deutschland in Führung und obwohl Jansen zunächst einen Siebenmeter verwarf und danach zwei Minuten kassierte, führte Deutschland dank eines Kaufmann-Treffers kurz vor dem Seitenwechsel mit 14:13. Bei dem Gewaltwurf des Lemgoers ging dabei ein Raunen durch die Halle, die Anzeige wies 113 km/h für den Wurf aus dem Rückraum aus. Auf der Gegenseite parierte Bitter, doch Dänemark bekam noch einen abschließenden direkten Freiwurf zugewiesen. Lasse Boesen übernahm den Ball, der frühere Lemgoer hatte keinen guten Tag erwischt am Ende sollte er einen Treffer und sechs Fehlversuche in der Statistik haben. Doch in diesem Moment nutzte er fehlende deutsche Cleverness. Die deutsche Mauer streckte die Arme in die Höhe, doch Boesen fand eine Lücke. Gezielt setzte er den Ball durch die Arme von Sebastian Preiß zum Ausgleich in den Winkel des deutschen Tores - ein ärgerlicher Gegentreffer aus deutscher Sicht, der für den 14:14-Pausenstand sorgte.

Auch nach Wiederanpfiff blieb das Duell Weltmeister gegen Europameister ein Spiel zweier gleichwertiger Mannschaften. Deutschland setzte zu Beginn des zweiten Abschnitts dabei einige Akzente: Kaufmann glich die dänische Führung umgehend aus, Klein traf per Strafwurf und Glandorf erhöhte auf 17:15. Aber nicht nur die Tore sorgten für Gesprächsstoff, Mikkel Hansen erwischte bei einem Reboundversuch Torsten Jansen mit dem Ellenbogen im Gesicht, blieb aber ohne Strafe. Als Jansen mit einem Doppelschlag zum 17:17 ausglich und die Schiedsrichter auf einen technischen Fehler von Jansen entschieden, steigerte sich der Unmut auf der deutschen Bank. "Wenn man dann noch berücksichtigt, dass unsere Bank, weil sie darauf hinweist, dass ein Spieler von uns verletzt ist, zwei Minuten dafür bekommt, dann weiß man, wie das hier heute gelaufen ist", erklärte Bundestrainer Heiner Brand später die Situation, bei der das Gespann eine Strafzeit gegen den sich auf der Auswechselbank befindlichen Dominik Klein aussprach. Der Vorteil währte aber nicht lang, Bitter parierte und in der Offensive konnte Hansen Glandorf nur auf Kosten einer dänischen Strafzeit stoppen. Deutschland legte wieder vor, Dänemark glich aus.

Dänemark versuchte es im zweiten Abschnitt mit einer 3:2:1-Deckung, gegen diese offensive Abwehrformation hatte Deutschland im Turnierverlauf mehrfach Probleme gehabt. Doch dank viel Bewegung konnte sich das DHB-Team heute gegen den Europameister immer wieder Einwurfmöglichkeiten erarbeiten, diese wurden aber in dieser Phase nicht immer konsequent genutzt. Beim Stand von 20:20 scheiterten beispielsweise zunächst Klein und Kaufmann aus dem Rückraum, dann Preiß und danach Klein von der Siebenmeterlinie. Deutschland hatte eine Überzahl und einen Siebenmeter nicht genutzt, Dänemark nutzte diese Chance. Eggert traf von der Siebenmeterlinie, Kaufmann gelang allerdings trotz der Bedrängnis der Ausgleich. Das Team ging mit einem Unentschieden in die letzten zehn Minuten und schon jetzt schwante sowohl den deutschen wie auch den dänischen Fans, dass die Entscheidung vermutlich erneut erst in der Schlußminute fallen würde.

Deutschland zeigte dabei in dieser entscheidenden Phase einige sehenswerte Spielzüge, beispielsweise das Anspiel von Lars Kaufmann auf den an den Kreis eingelaufenen Stefan Schröder, der das 22:22 markierte. Doch Lindberg traf auf der Gegenseite und unterstrich damit einen großen Unterschied am heutigen Tag: Während Dänemark sieben Tore über die Außenbahnen erzielte, war das deutsche Spiel zu zentral angelegt. Vier Würfe wurden von den Flügeln versucht, keiner fand den Weg ins dänische Tor. Klein scheiterte nun, auf der Gegenseite traf Kreisläufer Knudsen, der sich auf die Seite verlagert hatte. Deutschland lag mit zwei Toren zurück, doch das Team kämpfte sich zurück - Strobel und Preiß sorgten für den Ausgleich. Dänemark traf wieder mit Lindberg von Aussen, doch Kaufmann sorgte für das 25:25. Mogensen kassierte in dieser Phase die Eingangs erwähnte Zeitstrafe und das weitere Schicksal nahm seinen Lauf. Während Deutschland mit den Entscheidungen der Schiedsrichter haderte, nutzte Dänemark die sich bietende Chance konsequent und feierte am Ende nicht nur den 27:25-Erfolg, sondern auch den Halbfinaleinzug.



Scorers: Preiß (7), Kaufmann (6), Glandorf (3), Strobel (3), Klein (2), Jansen (2), Hens (1), Schröder (1) - Lindberg (6), Knudsen (4), Hansen (4), Eggert (3), Christiansen (2), Mogensen (2), Nielsen (2), Boesen (1), Spellerberg (1), Jensen (1), Jörgensen (1)
7m: 2/4 - 4/4
2-Minute Penalties: 6/4
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