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03/14/2009 - Frank Mebik - dpa
Bernd Ullrich im Interview: "Wir haben noch nie ein Spiel manipuliert"

Bernd Ullrich
Photo: fotograf-kiel.de
Den beiden deutschen Handball-Schiedsrichtern Bernd Ullrich und Frank Lemme aus Magdeburg wird Bestechlichkeit vorgeworfen. Sie sollen nach dem Europapokalfinale 2006 zwischen Medwedi Tschechow (Russland) und BM Valladolid (Spanien) beim russischen Zoll mit 50.000 Dollar im Gepäck erwischt worden sein. In einem am Samstag geführten Interview mit der Deutschen Presse Agentur dpa bestätigt Bernd Ullrich die Vorwürfe, sieht sich aber als Opfer eines Komplotts.

Herr Ullrich, wurden bei Ihnen beim Zoll am Moskauer Flughafen 50.000 Dollar entdeckt?

Bernd Ullrich:
Ja, das stimmt, wie es im Spiegel berichtet wurde.

Wie stellt sich der Sachverhalt aus Ihrer Sicht dar?

Bernd Ullrich:
Es ist absolut bescheuert gelaufen, wir saßen in einer Lounge am Flughafen und warteten. Als unser Flug aufgerufen wurde, gingen wir zum Gate und durch die Sicherheitskontrolle. Dort durchsuchte ein Zöllner meine Sporttasche und entnahm eine Tüte mit dem Geld.

Und diese Tüte hatten Sie vorher nicht bemerkt?

Bernd Ullrich:
Nein, ich hatte nach dem offiziellen Bankett nach dem Spiel meine Tasche mit Schiedsrichter-Kleidung im Zimmer abgestellt und am nächsten Tag die restlichen Kleider dorthin gepackt. Dann ging es ab zum Flugplatz. Die Tüte sah ich zum ersten Mal, als wir kontrolliert wurden.

Also denken Sie, dass die Tüte Ihnen unbemerkt zugesteckt wurde?

Bernd Ullrich:
Ja, auf jeden Fall, anders kann das nicht gewesen sein. Wir sind doch nicht so blöd und schleppen 50.000 Dollar durch den russischen Zoll.

Haben Sie einen Verdacht, wie die Tüte in Ihre Tasche gelangte?

Bernd Ullrich:
Es muss eigentlich schon in der Schiedsrichter-Kabine passiert sein. Für mich gibt es drei Varianten: Die Russen wollten, dass wir das Geld finden, dann hätten wir auch reagiert und den Vorfall gemeldet. Zweitens: Wir merken es nicht ­ und wir sind somit bestochen worden. Oder drittens, und so kam es auch: Das Geld wird gefunden, und man hätte uns vorwerfen können, wir hätten das Geld angenommen.

Haben Sie einen Verdacht, wer das getan haben könnte?

Bernd Ullrich:
Keinen konkreten. Allerdings standen unsere Taschen während des Spiels natürlich unbeaufsichtigt in der Schiedsrichter-Kabine.

Gab es im Vorfeld des Spiels Anzeichen für eine versuchte Bestechung?

Bernd Ullrich:
Ja, Frank Lemme wurde vor dem Spiel von einem ihm bekannten Russen angesprochen, dass wir das Spiel in die richtige Richtung leiten sollten. Aber er sagte nur: "Keine Chance, das machen wir nicht." Er sagte mir vor dem Spiel aber nichts davon.

Gab es also von Ihrer Seite keine Manipulationen?

Bernd Ullrich:
Nein, das Spiel ist von unserer Seite ganz normal abgelaufen, es gab keine Kritik von den Spaniern, nachdem sie verloren hatten. Wir haben nicht einseitig gepfiffen. Wenn ich mich recht erinnere, spielten die Russen in der Schlussphase sogar in doppelter Unterzahl. Wir haben noch nie ein Spiel manipuliert.

Was ist dann mit dem Geld geschehen?

Bernd Ullrich:
Wir mussten alles am russischen Zoll abgeben, inklusive unseres privaten Geldes. Wir mussten einen Bericht in russischer Sprache unterschreiben und haben von diesem allerdings keine Kopie erhalten. Wir dachten nur: Hauptsache raus dort!

Warum haben Sie den Vorfall nicht sofort an den Europäischen Verband EHF gemeldet?

Bernd Ullrich:
Im Nachhinein hätten wir es auf jeden Fall machen sollen, aber wir hatten keine Beweise. Zudem hatten wir natürlich Angst, was wird aus unserer internationalen Karriere ­ und die ganze Geschichte hört sich zugegebenermaßen ziemlich utopisch an.

Wie kam die Angelegenheit nun an die Öffentlichkeit?

Bernd Ullrich:
Es gab wohl Informationen aus Russland, die dem Spiegel zugetragen wurden, warum auch immer.

Ist Ihre Schiedsrichter-Karriere hiermit beendet?

Bernd Ullrich:
Das wird die Zeit zeigen.

Vielen Dank für das Interview

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