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30.07.2010 - PM Rhein Neckar Löwen / red
Trainingslager mit Hindernissen: Die Löwen sind "incommunicado"

Gudjon Valur Sigurdsson geht auf Tauchgang
» Galerie aus Fuerteventura
Foto: Christopher Monz
Andere fahren zum Urlaub hin, die Rhein Neckar Löwen zum Arbeiten: Der Bundesligavierte der Vorsaison ist seit Wochenbeginn im Trainingslager auf Fuerteventura. Früh aufstehen musste die Mannschaft am Dienstagmorgen, bereits um 6:30 Uhr ging es von Kronau an den Frankfurter Flughafen und über einen Zwischenstopp in Madrid direkt nach Fuerteventura. Im „Club playitas“ finden die Löwen dabei beste Bedingungen für eine erfolgreiche Saisonvorbereitung vor, allerdings gab es dennoch das ein oder andere Hindernis, beispielsweise den Besuch der Polizei in der Trainingshalle oder das Abgeschnitten-Sein von der Außenwelt.

Trotz der Anreisestrapazen bat Trainer Ola Lindgren am ersten Abend direkt zum Training in die Halle, ehe im Anschluss im benachbarten Fußballstadion noch eine Laufeinheit für die Ausdauer folgte. Für den direkt an das Fußballstadion grenzenden Atlantik hatte die Löwen dabei keinen Blick, sie waren mit Schwitzen beschäftigt. „Es werden harte Tage für die Jungs, aber wir wollen topfit in die Saison gehen, mit dem Champions-League- Qualifikationsturnier erwartet uns ein absoluter Höhepunkt direkt zum Saisonstart“, zog Lindgren ein zufriedenes Fazit nach dem ersten Tag auf Fuerteventura.

Gleich drei Trainingseinheiten hatte Trainer Ola Lindgren dann für den zweiten Tag auf der Atlantikinsel angesetzt. Bereits vor dem Frühstück traf sich die Mannschaft um 8 Uhr morgens zum 5000-Meter-Lauf, nach dem Frühstück schwitzten die Löwen im Kraftraum. Überraschenden Besuch erhielten die Badener, die bis auf den verletzten Ólafur Stefánsson komplett nach Fuerteventura gereist sind – mit Eike Rigterink und Michel Abt komplettieren zwei Nachwuchskräfte den Kader – dann bei der abendlichen Trainingseinheit in der Halle. Da die Löwen in einer Schulsporthalle trainieren, die während der Ferien eigentlich für den Sportbetrieb geschlossen ist, rief ein aufmerksamer Nachbar kurzerhand die Polizei, als er die Trainingsgäste entdeckte. Die deutsche Handballmannschaft war ihm scheinbar zu suspekt.

Kurzerhand standen zwei Streifenwagenbesatzungen in der Halle und überzeugten sich vom Training, die Beamten staunten dabei besonders über die Schlagwürfe von Andy Schmid, die Abwehraktionen von Oliver Roggisch und die Paraden von Henning Fritz. Eine kurze Aufklärung reichte und die Polizisten verließen die Halle wieder, natürlich nicht, ohne den Gästen für die kommende Saison alles Gute zu wünschen. „Wer sich auf Fuerteventura die Grundlagen holt kann nur eine erfolgreiche Saison spielen“, so ein Polizist zum Abschied.

Weitere Überraschung dann am Abend im Hotel: Die Hauptantenne der Anlage für die Versorgung von Fest- sowie Handynetz und Internet gab ihren Geist auf. Fast 24 Stunden waren die Löwen komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Kein Handy, kein Internet, nicht einmal das Festnetztelefon funktionierte, zu allem Unglück blieb ein Teil des Löwen-Tross auf dem Weg zum Abendessen auch noch in der hoteleigenen Seilbahn stecken, die die Wohnanlagen auf einem Berg mit dem Haupthaus verbindet.

Für den dritten Tag auf Fuerteventura hatte sich Ola Lindgren eine besondere Ausdauereinheit für seine Mannschaft ausgedacht. Der „Löwen Triathlon“. Der Tag beginnt und noch immer gibt es weder Internet noch Telefonverbindung. Mittlerweile ist auch Geschäftsführer Thorsten Storm auf Fuerteventura eingetroffen. Nicht erreichbar zu sein mag im Urlaub ganz angenehm sein, doch Storm wollte auf der Ferieninsel eigentlich arbeiten, da weder Telefon, Internet oder Handy funktionieren schließt sich der Manager so aber dem Sportprogramm seiner Mannschaft an. Mit einer Radtour wird der Tag eröffnet, zunächst sind die Löwen guter Dinge, doch dann stellt sich heraus dass der Guide für die Fahrradtour bereits die Tour de France absolviert hat. Rund 1,5 Stunden und 40km dauert der Ritt über die trostlose Vulkanlandschaft der Atlantikinsel.

„Ich hätte nicht gedacht wie hart so eine Tour sein kann, ich bin ganz schön kaputt“, so Trainer Ola Lindgren, der sich ebenfalls aufs Rennrad geschwungen hat. Direkt nach der Rückkehr schickt der Schwede seine Spieler in den Swimmingpool. Im Olympiabecken vom Club playitas zeigt sich wer bei den Löwen am besten schwimmt. Nachwuchskraft Michel Abt steigt als erster nach 500m aus dem Becken und macht sich auf den abschließenden 5,5km Lauf, dicht gefolgt von Bjarte Myrhol, doch der Norweger riskiert zu viel und fällt nach einem Krampf weit zurück. Am Ende siegt Neuzugang Andy Schmid vor Oliver Roggisch und Patrick Groetzki und darf sich Ironman der Löwen nennen. „Das war eine unglaublich harte Einheit“, so der Schweizer Nationalspieler nach rund vier Stunden.

Den Rest des Tages hatten die Spieler frei. Während das Trainerteam um Ola Lindgren und Kent-Harry Andersson gemeinsam mit Thorsten Storm den Nachmittag auf dem hoteleigenen Golfplatz verbrachte, hatte ein Teil der Mannschaft immer noch nicht genug Sport. Eike Rigterink, Gudjon-Valur Sigurdsson und Slawomir Szmal absolvieren einen Schnuppertauchkurs, während sich Oliver Roggisch und Teamkoordinator Christopher Monz direkt in die Fluten des Atlantik stürzen und während eines Tauchganges das Riff um die Hotelanlage erkunden. Die gute Nachricht folgt am späten Nachmittag. Nachdem zunächst die Handy und Telefonnetze wieder funktionieren läuft wenig später auch das Internet wieder. Vor allem das Handy von Thorsten Storm stand in der Folge kaum noch still.


Patrick Groetzki, Gudjon Valur Sigurdsson Robert Gunnarsson und Oliver Roggisch entspannen im Hotelpool
» Zur Galerie aus Fuerteventura




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