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12/13/2007 - Christian Ciemalla |
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Das unbekannte kleinste Übel - Deutsche Auswahl heute im Viertelfinale gegen Angola |
 Ilda Bengue und Angola gehen entschlossen und selbstbewusst in die Begegnung Photo: Axel Heimken /IHF |
Die deutsche Frauennationalmannschaft steht vor einem der größten Erfolge der letzten Jahre. Nach dem Halbfinaleinzug bei der EM im letzten Jahr, steht nun nur noch Angola zwischen den deutschen Frauen und dem Halbfinale. Angola ist zwar nur bedingt die kolportierte große Unbekannte, aber zumindest eine Unberechenbare. "Angola hat nicht nur mit der Glanzleistung gegen Frankreich die Welt im Frauen-Handball richtig durcheinandergewirbelt, verändert und erschrocken. Wir wissen, was auf uns zukommt und das wird nicht einfach", so Bundestrainer Armin Emrich. Bereits um 13 Uhr (live im TV und im InterNet auf Eurosport) wird die deutsche Auswahl versuchen, aufbauend auf einer guten Deckungsarbeit und mit einer konzentrierten Umsetzung der von Emrich vorgegebenen Taktik, den Stolperstein Angola aus dem Weg zu räumen.
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Seit 1990 hat Angola an jeder Weltmeisterschaft teilgenommen, im Gegesatz zur deutschen Auswahl, die das Turnier 2001 in Südtirol verpasste. Bei diesem wurde Angola 13. und stellte damit die beste WM-Platzierung von 1995 in Österreich/Ungarn wieder ein. Doch trotz der neunten WM-Teilnahme in Folge gilt der Afrikameister als der große Unbekannte. Sicher ist, der Sieg gegen die ersatzgeschwächten Österreicherinnen war Angola durchaus zugetraut worden, wobei das deutliche 33:22 und die souveräne Art und Weise doch überraschten. Dank dieses Sieges und des Pflichterfolgs gegen die Dominikanische Republik stand bereits nach drei Spielen fest, dass Angola die beste Platzierung seiner WM-Geschichte erzielen würde: Ein Platz und den zwölf besten Teams war den Afrikanerinnen sicher. "Wir werden immer besser, seit einigen Jahren greift alles Hand in Hand", sagte Geronimo «Jojo» Neto, der immer wieder betonte, dass Handball den Menschen in seinem Land vieles gebe: "Wir hatten 20 Jahre lang Krieg, erst seit vier Jahren ist Angola befriedet. Die Menschen brauchen Erfolgserlebnisse."
In der Hauptrunde schienen die Trauben aber hoch zu hängen, Angola traf auf fünf europäische Teams, rechnete sich aber insgeheim vor allem gegen Mazedonien und Kroatien etwas aus und hoffte auf das Viertelfinale. Der entscheidende Schritt gelang aber ausgerechnet gegen Gastgeber Frankreich. Mit sieben Toren in Folge holte Angola einen 16:21-Rückstand auf, behielt auch in der Schlußphase die Ruhe und siegte am Ende in Metz mit 29:27. Die WM hatte ihre erste Sensation, wobei zu konstatieren ist, dass sich Frankreich aufgrund eines schnellen 9:3 und 15:8 zu sicher war und das Spiel noch aus der Hand gab. Mit diesem Sieg im Rücken gelangen Siege gegen Mazedonien und Kroatien, bereits vorzeitig stand die Qualifikation für das Viertelfinale fest. DHB-Vizepräsident Reiner Witte, in Frankreich Delegationsleiter der deutschen Frauen zeigt sich optimistisch: "Angola ist das kleinste Übel, was uns im Viertelfinale passieren konnte. Im Vergleich zu Gastgeber Frankreich, Weltmeister Russland und Europameister Norwegen ist diese Mannschaft einfacher zu spielen."
Doch gerade das abschließende Spiel gegen die Russinnen sollte der deutschen Auswahl zahlreiche Ansatzpunkte geben, um Angola auszuhebeln. Die Niederlage tat dem Selbstvertrauen der Angolanerinnen zwar keinen Abbruch. Wäre man etwas "ruhiger und konzentrierter" gewesen, hätte es ein anderes Spiel gegeben, meinte Trainer Jeronimo Neto, der allerdings auch die Überlegenheit der Russinnen anerkannte. "Im ersten Durchgang hatten wir keinen guten Start mit dem 11:21", sagte Neto gegenüber angola-press. "Wir haben aufgrund der physischen Voraussetzungen verloren, aber wir haben den zweiten Durchgang nur mit einem knappen Ergebnis von 16:19 verloren. Wir hatten zu wenig Konzentration im ersten Durchgang, aber wir glauben an bessere Tage", so der Trainer weiter.
Vor allem der Rückraum der Angolanerinnen scheint ein Prunkstück zu sein, immerhin stehen gleich drei Rückraumspieler des Afrikameisters unter den "Top Twelve" der WM-Torschützen. Doch ein genauerer Blick in die Statistik, alle drei weisen keineswegs angsteinflößende Quoten auf: Kiala benötigte für ihre 41 Tore ganze 107 Versuche, davon aus dem Rückraum 28 aus 80, Almeide und Bengue für ihre 39 Tore je 70 bzw. 74. Zum Vergleich, Grit Jurack benötigte für ihre 50 Tore lediglich 80 Versuche. Zudem scheinen die Würfe der Afrikanerinnen berechenbar zu sein, zumindest schienen sich die russischen Torhüterinnen bestens auf die zumeist flachen Würfe der Afrikanerinnen eingestellt zu haben, ein Sachverhalt, der sicherlich auch den deutschten Torfrauen bekannt sein dürfte. Diese hielten im Turnierverlauf Lediglich Almeide bevorzugt ab und an das linke obere Eck.
Die Deckung dürfte den Schlüssel für den heutigen Erfolg bergen. Die Russinnen hatten es dabei zunächst, für russische Mannschaften überraschend, mit einer 5:1-Variante gegen die Angolanerinnen versucht und diese damit erfolgreich unter Druck gesetzt. Die deutsche Auswahl spielte bislang in vielen Begegnungen eine überzeugende 5:1-Deckung und Angola fehlt eine wirklich herausragende Kreisläuferin, um den durch dieses System entstehenden Platz im Mittelblock zu nutzen. Aufgrund des Plus auf der Torhüterposition, mit 40 Prozent steht das deutsche Gespann Englert/Woltering an der Spitze der Torhüterinnen, könnte auch eine 6:0-Variante ein probates Mittel sein, doch die deutsche Auswahl sollte gewarnt sein, was passieren kann, wenn sich Angola in einen Rausch spielt, mussten nicht nur die Französinnen leidvoll erfahren.

Die deutsche Auswahl will heute den Halbfinaleinzug bejubeln
Photo: Michael Heuberger
Während die harten Zahlen für Deutschland sprechen, machen dem DHB-Tross eben diese "Umweltfaktoren" sorgen. Die Zuschauer im Palais de Omnisport werden sicherlich auf Seiten des Außenseiters stehen und dieser wird versuchen, mit Hilfe der Zuschauer sich erneut in einen Rausch zu spielen. Der deutschen Auswahl könnte die frühe Anwurfzeit so entgegenkommen, den um 13 Uhr werden sicherlich noch keine 14.000 Zuschauer in der Halle sein. Klar scheint auch, dass die deutsche Mannschaft theoretisch den Sieg schaffen müsste, wenn es ihr gelingt die normale Leistungsstärke abzurufen. Doch Angola scheint, wenn auch nicht unbekannt, so doch unberechenbar. Sicher sein darf sich die deutsche Auswahl zu keinem Zeitpunkt, aber spätestens die Partie gegen Polen sollte das deutsche Team davor gewarnt haben, aufgrund eines Vorsprung einen Gang herauszunehmen. Doch, wenn die Vorgaben von Armin Emrich umgesetzt werden, verfügt die deutsche Auswahl über die Mittel um das Halbfinale zu erreichen.
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| Scorers: Kiala (13), Bengue (8), Almeida (4), Kiala (3), Fernandes (1), Trindade (1), Calandula (1), Bernado (1), Edouardo (1) - Jurack (11), Krause (6), Melbeck (6), Baumbach (4), Müller (3), Hering (2), Wörz (1), Härdter (1), Reiche (1), Blacha (1) |
7m: 3/3 - 4/8 2-Minute Penalties: 5/5
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