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12/15/2007 - Christian Ciemalla |
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Deutsche Auswahl überzeugt, doch Norwegen zieht ins Finale ein |
 Grit Jurack lässt sich in dieser Szene von Else Marthe Soerlie Lybekk nicht stoppen Photo: Michael Heuberger |
Eine starke Leistung zeigte die deutsche Auswahl im Halbfinale gegen die favorisierten Norwegerinnen. Auch von einem zwischenzeitlichen Sechs-Tore-Rückstand ließ sich die Mannschaft von Armin Emrich nicht beeindrucken. Mit einer guten Deckungsarbeit und dank der Treffsicherheit von Grit Jurack ging das DHB-Team im zweiten Abschnitt sogar in Führung. Die Verletzungen von Steffi Melbeck und Anne Müller konnten dann aber in der Defensive gegen die routiniert agierenden Norwegerinnen in den Schlußminuten nicht mehr kompensiert werden. Norwegen siegte mit 33:30 und trifft nun im Duell der Giganten auf Weltmeister Russland, der in seinem Halbfinale eine wesentlich einfachere Aufgabe zu lösen hatte. Für die deutsche Auswahl gilt es morgen gegen Rumänien die Bronzemedaille zu sichern.
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Die 13.000 Zuschauer im Palais Omnisport in Paris sahen einen konzentrierten Beginn der favorisierten Norwegerinnen. Vor allem Else Marthe Soerlie Lybekk zeigte immer wieder ihre Klassen und nutzte am Kreis die Lücken, die durch die offensive deutsche Deckung entstanden. Zwei Treffer der in der Bundesliga für Leipzig spielenden Kreisläuferin brachten Norwegen mit 2:0 in Führung, bevor Nadine Härdter in der dritten Spielminute der erste Treffer für die deutsche Auswahl gelang. In der Folge entwickelte sich eine abwechslungsreiche Begegnung, in der sich das DHB-Team auf Augenhöhe zeigte, Anne Müller konnte Deutschland in der elften Spielminute mit ihrem Treffer zum 7:6 sogar erstmals in Führung. Norwegen gelangen zwar drei Treffer in Folge, doch als Nina Wörz Steffi Melbeck sehenswert in Szene setzte und diese den Anschlußtreffer zum 9:8 erzielte, sah es nach einer Viertelstunde nach einer ausgeglichenen Partie aus.
Doch nun zeigte der Favorit aus Norwegen seine Klasse. Die norwegische Deckung trat insbesondere gegen Grit Jurack besonders früh raus und zeigte sich bei Anspielen an den Kreis sehr aufmerksam. Gleich mehrfach konnten die Norwegerinnen diese Pässe abfangen, da zudem Katrine Lunde Haraldsen im Tor einige beeindruckende Paraden zeigte, konnte sich Norwegen auf 13:8 absetzen. Vier Tore waren dem Europameister in nur zwei Minuten gelungen, auch weil Clara Woltering im Tor nicht an die guten Leistungen aus den vorherigen Spielen anknüpfen konnte. Emrich wechselte auf der Torhüterposition, aber auch Sabine Englert konnte im ersten Abschnitt zunächst keine Akzente setzen. Um diese bemühte sich unterdessen aber Nadine Krause, die sich trotz einer Bänderverletzung kurz vor Spielbeginn zum Mitwirken entschied. Krause biß auf die Zähne, mühte sich nach Kräften und bot unter den gegebenen Umständen eine gute Leistung.

Nadine Krause
Michael Heuberger
Grit Jurack beruhigte das Spiel der deutschen Auswahl mit ihrem Treffer zum 13:9, und die deutsche Mannschaft ließ sich nicht abschütteln. Unaufhörlich wurde versucht die norwegischen Angriffe mit einer offensiven 3:2:1-Deckung zu stoppen, doch Norwegen hatte darauf immer wieder die richtigen Antworten parat, vor allem, weil von den Halbpositionen immer wieder der Kreis angespielt werden konnte, vor allem Katia Nyberg überzeugte dabei als Anspielerinnen, sie hatte bei Spielende unglaubliche neun Assists in ihrer Statistik. Doch obwohl Norwegen das Spiel in dieser Phase beherrschte, Deutschland blieb in Schlagdistanz.
Auch als Goril Snorroeggen in der 26. Minute die Distanz beim 18:12 auf sechs Tore ausbaute, wurde das DHB-Team nicht unruhig. Nach dem 19:13 traf zunächst Krause nach einer Einzelaktion und danach aus der eigenen Hälfte. Norwegen hatte in Unterzahl die Torhüterin zu Gunsten einer zusätzlichen Feldspielerin vom Parkett genommen, doch Anna Loerper konnte Katia Nyberg den Ball klauen und Krause nutzte die Chance zu einem Tor ins verwaiste norwegische Tor. Damit aber nicht genug, Grit Jurack legte das 19:16 nach, zum Seitenwechsel lag Deutschland nur noch drei Tore zurück. Und fast wären es sogar nur zwei Tore gewesen, Sabine Englert hatte es gegen die weit vor ihrem Tor postierte norwegische Torhüterin mit einem Wurf aus dem eigenen Kreis versucht, da die ablaufenden Sekunden nicht mehr für einen geplanten Angriff gereicht hätten. Doch der Wurf ging über das norwegische Tor.

Sabine Englert bei einer Parade
Michael Heuberger
Gleich zu Beginn des zweiten Abschnitts konnte Sabine Englert mit einer Parade gegen Snorroeggen Selbstvertrauen tanken, zudem schien Emrichs taktische Nachjustierung in der Pause von Erfolg gekrönt zu sein. Die deutsche Deckung spielte noch offensiver und war nun näher an den Norwegerinnen dran. Die Norwegerinnen mussten sich fast jeden Treffer hart erarbeiten, Deutschland war ein ebenbürtiger Gegner für den Europameister. Norwegen hielt die deutsche Deckung auf Distanz, doch vor allem Grit Jurack ließ sich nun nicht mehr aufhalten. Immer wieder zeigte die in Dänemark spielende Rückraumspielerin ihre Klasse, am Ende war sie mit zwölf Toren erneut beste deutsche Werferin und dürfte ihren Platz im All Star-Team bereits vor dem abschließenden Spiel sicher haben.
Else Marthe Soerlie Lybekk hatte die deutsche Auswahl beim 22:25 aus den Angeln gehoben, doch Jurack hatte umgehend geantwortet. Mit einem sehenswerten Schlagwurf sorgte Maren Baumbach wenig später für den ersehnten Anschlußtreffer und Jurack ließ sich auch nicht von einigen harten Aktionen aus der Ruhe bringen. Sie ging erneut auf die norwegische Deckung und markierte in der 46. Minute mit ihrem Tor zum 25:25 den Ausgleich. Die deutsche Auswahl witterte Morgenluft, Melbeck provozierte ein Stürmerfoul und in der Offensive sorgte wieder Jurack für deutschen Jubel, sie warf das deutsche Team mit ihrem Tor zum 26:25 wieder in Führung. Die deutschen Fans hofften auf die Sensation und peitschten ihre Mannschaft nach vorne, doch die norwegischen Fans hielten dagegen, so wie auch die norwegische Mannschaft.

Grit Jurack ließ sich nicht aufhalten
Michael Heuberger
Melbeck brachte die deutsche Auswahl beim 28:27 noch einmal in Front, doch dieser Treffer sollte zum entscheidenden Moment in der Begegnung werden. Melbeck war mit der norwegischen Torhüterin Therese Pedersen unglücklich zusammengeprallt und musste verletzt vom Feld. Melbeck konnte in der Folge nicht mehr eingesetzt werden, eine entscheidende Schwächung, vor allem für die deutsche Deckung, auch weil die Norwegerinnen nun ihre Routine ausspielten und es immer wieder über die zuvor von Melbeck bestens verteidigte Position versuchten, zumeist erfolgreich. Vor allem Kari Mette Johansen drehte auf, sie erzielte drei norwegische Treffer in Folge und warf ihre Mannschaft, die eine Überzahlsituation nach einer Zwei-Minuten-Strafe gegen Anna Loerper konsequent nutzte, beim 29:28 wieder in Führung.
Deutschland kämpfte verbissen, doch zu diesem Zeitpunkt war mit Anne Müller bereits eine zweite Stütze des deutschen Spiels verletzt vom Feld gegangen. Die Kreisläuferin hatte versucht eine Sperre für Jurack zu stellen und wurde dabei von der norwegischen Deckung "überlaufen". Das Fehlen von Müller verschlimmerte die deutschen Sorgen in der Deckung und dies nutzte der Europameister im Stile einer Klassemannschaft. Pedersen parierte gleich drei deutsche Würfe in Folge, doch wenig später gelang Maren Baumbach mit einem sehenswerten Schlagwurf noch einmal der Ausgleich. Doch in den verbleibenden drei Minuten wurden der deutschen Auswahl wieder die Bodenpässe an den Kreis zum Verhängnis, Snoerrogen und Aamodt nutzten dies um Norwegen beim 31:29 wieder mit zwei Toren in Führung zu werfen. Als Pedersen einen Wurf von Jurack entschärfen konnte und auf der Gegenseite Else Marthe Soerlie Lybekk vom Kreis in ihrer unnachahmlichen Art das 32:29 erzielte, war die Entscheidung gefallen.

Anne Müller hat sich durchgesetzt
Photo: Michael Heuberger
Die deutsche Auswahl gab sich aber keineswegs auf, die Spielerinnen traten offensiv heraus, doch Norwegen spielte nun seine Erfahrung aus. Nach einem Fehlwurf von Nadine Krause nahm Marit Breivik ihre Auszeit und beruhigte das Spiel ihrer Mannschaft. Katia Nyberg ließ sich von der offensiven deutschen Deckung nicht aufhalten und markierte das 33:29, Maren Baumbach gelang zwar noch das abschließende 33:30, doch dieser Treffer war lediglich für die Statistik. Trotz einer beeindruckenden Leistung blieb der deutschen Auswahl der Einzug in das Finale verwehrt und somit auch die Erfüllung des Traums von WM-Gold und der direkten Qualifikation für die Olympischen Spiele. Trotz der Niederlage konnte die deutsche Auswahl das Parkett aber mit erhobenem Kopf verlassen und zumindest der Traum von einer Medaille kann mit einem morgigen Sieg gegen Rumänien noch erfüllt werden. Beste Voraussetzungen für die Olympia-Qualifikation wurdne zudem geschaffen, die deutsche Auswahl wird als Gruppenkopf eine der Qualifikationsgruppen ausrichten.
"Wir haben eine sensationelle Leistung geboten. Diese Mannschaft
war unglaublich gut und hat mit viel Pech das Halbfinale verloren.
Ich hoffe, dass die Spielerinnen den Kopf nicht hängen lassen,
sondern die verdiente Medaille mit nach Hause nehmen", sagte DHB-
Vizepräsident Reiner Witte. Kreisspielerin Anne Müller gab sich
entschlossen: "Es waren einige kleine Unkonzentriertheiten in der
Schlussphase, die uns den Sieg gekostet haben. Wir waren platt, und
die Melbeck-Verletzung war dann entscheidend. Heute sind wir
enttäuscht, aber morgen holen wir Edelmetall."

Die Norwegerinnen hatten am Ende gut Lachen
Michael Heuberger
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| Scorers: Sørlie-Lybekk (8), Snorroeggen (7), Nyberg (5), Johansen (4), Hammerseng (4), Harsaker (3), Aamodt (1), Frafjord (1) - Jurack (12), Krause (5), Baumbach (4), Härdter (3), Melbeck (3), Müller (2), Wörz (1) |
7m: 1/2 - 2/3 2-Minute Penalties: 4/3
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