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07/21/2009 - Frank Schneller - handball-world.com
Serdarusic: "Froh, endlich wieder meiner Arbeit nachgehen zu können"

Noka Serdarusic spricht exklusiv mit handball-world.com über seine Rückkehr auf die Trainerbank und die neue Aufgabe als slowenischer Nationaltrainer
Photo: fotograf-kiel.de
Es sind die ersten Statements gegenüber den deutschen Medien seit Beginn der vermeintlichen Manipulationsaffäre – als neuer Nationalcoach Sloweniens äußert sich Noka Serdarusic nach monatelangem Schweigen erstmals wieder öffentlich. Er hat gleich klar gestellt: Häufig wird das nicht vorkommen. Und er will lieber über seine neue Tätigkeit sprechen als über sich. Zu den Fragen rund um die Bestechungsvorwürfe, das hat er ebenfalls ausdrücklich zu verstehen gegeben, äußert sich Serdarusic weiterhin nicht. Das war nicht anders zu erwarten, zumal es sich bei diesem Thema um ein schwebendes Verfahren handelt. Zudem will der ehemalige Kieler Meistertrainer am liebsten die Vergangenheit ruhen lassen. Unser Mitarbeiter Frank Schneller musste dies zur Kenntnis nehmen, fand beim Blick nach vorn und auf das bevorstehende Duell Sloweniens mit Deutschland bei der EM dennoch etlichen Gesprächstoff.

Noka Serdarusic wird mit Slowenien in der Vorrunde der EM in Österreich auf Deutschland treffen
Photo: fotograf-kiel.de
Herr Serdarusic, nach über einem Jahr Pause und einer auch für Sie persönlich ganz schweren Zeit treten Sie jetzt einen neuen Trainerjob als slowenischer Nationalcoach an. Wie sieht Ihre Gefühlswelt aus?

Noka Serdarusic:
Ich bin froh, endlich wieder meiner Arbeit nachgehen zu können und ich freue mich auf die neue Aufgabe, wenngleich der Posten eines Nationaltrainers natürlich anders geartet ist als der eines Vereinstrainers. Die täglichen Beanspruchungen hätte ich höchstwahrscheinlich nicht mehr bewältigen können - aus gesundheitlichen Gründen. Meine körperlichen Probleme und die Folgen der beiden Operationen haben mich durchgehend begleitet, die hatte ich schließlich nicht erfunden. Aber den Arbeitsrhythmus, der jetzt auf mich wartet, den traue ich mir wieder zu. Meine Ärzte auch, das war wichtig.

Können Sie all das, was geschehen ist, die Manipulationsaffäre und ihre Folgen sowie all die Gerüchte – auch um Ihre Person – einfach so hinter sich lassen?

Noka Serdarusic:
Einfach? Ich möchte über dieses Thema weiterhin weder öffentlich noch sonst sprechen. Nur soviel: Ich habe viele persönliche Erfahrungen gemacht in der zurückliegenden Zeit. Auch gute. Nun schaue ich nach vorne.

Und wenn Sie die Vergangenheit doch noch einholt?

Noka Serdarusic:
Kein Kommentar. Bitte nur noch Fragen zu meiner neuen Tätigkeit.

Okay. Hat das slowenische Team genug Potential, international wieder weiter nach vorne zu kommen?

Noka Serdarusic:
Ich muss mir erst einmal ein genaues Bild machen, wie es um die Mannschaft und die Spieler bzw. Kandidaten bestellt ist. Potential und gute Leute hat der slowenische Handball allemal. Aber mit Blick auf die EM muss ich gleich mal die Erwartungen relativieren: Das wird ganz schwer für uns. Wir haben eine Hammergruppe erwischt.

Sie treffen dort u.a. auf Deutschland ...

Noka Serdarusic:
Ja, das ist ja längst nicht der einzige, aber einer dieser Kracher. Man weiß ja, dass ich Heiner Brand und seine Arbeit schätze. Er hat ein relativ neues gutes Team aufgebaut. Wenn alle seine Spieler fit sind, ist seine Mannschaft ein Favorit. Im Spiel gegen uns sowieso. Die Qualifikation hat ja schon einen Eindruck von den derzeitigen Verhältnissen vermittelt. Und: Wir haben eine schwere Gruppe bei der EM. Andererseits interessieren mich persönlich Favoritenrollen und so etwas ja bekanntlich nicht besonders. Ich bin ein Trainer, der sich vor allem auf das nächste Spiel konzentriert und der das auch seiner Mannschaft beibringt. Ziel ist es zu gewinnen, auch in Österreich und auch im Spiel gegen Deutschland - danach sehen wir weiter.

In der Qualifikation hatte Slowenien nicht alle Topspieler dabei ...

Noka Serdarusic:
Stimmt. Aber Heiner Brand auch nicht. Wir müssen einfach sehen, was in der kurzen Zeit machbar ist. Jungs wie Ales Pajovic und Vid Kavticnik sind natürlich ein Gewinn für uns, wenn sie zurückkehren. Ich will so viel kurzfristigen Erfolg wie möglich. Aber ich muss in dieser neuen Position letztlich auch mittel- und langfristig planen. Das will auch der Verband. London 2012 ist das große Ziel, so ist auch die Vertragsdauer ausgerichtet.

Ist es wichtig für Sie, dass Sie sich weitestgehend in Ihrer Sprache arbeiten und ausdrücken können?

Noka Serdarusic:
Weitestgehend, ja. Eine gute Kommunikation ist wichtig. Es soll keine Missverständnisse geben, die an der Sprache liegen. Vor allem im Umgang mit den Spielern. Ich spreche nur meine Muttersprache, der die slowenische ähnlich ist, und deutsch gut genug, mir über Sprachbarrieren keine Gedanken machen zu müssen. Insofern war es auch ein Pluspunkt für dieses Angebot, dass die Sprachprobleme relativ gering und überwindbar sind. Ich werde noch daran arbeiten, aber das kriege ich schon hin.

Bleiben Sie in Deutschland wohnen und pendeln Sie fortan oder ziehen Sie nach Celje bzw. Ljubljana um?

Noka Serdarusic:
Geplant ist ein Wohnsitz in Deutschland für meine Familie und mich und ein Standort in oder nahe Slowenien. Ich werde schon viel vor Ort sein.

Bleiben Sie mit einem Bein in Kiel?

Noka Serdarusic:
Nein. Ich plane, mit meiner Familie auch innerhalb Deutschlands umzuziehen.

Ist dieses Engagement und der geplante Standortwechsel ein Einschnitt in Ihrem Leben, den Sie sich noch vor zwei, drei Jahren vorstellen hätten können?

Noka Serdarusic:
Es ist eine erhebliche Veränderung, ein Einschnitt, der so nicht abzusehen war zu der Zeit, nach der Sie fragen. Aber nun ist es so und ich nehme es so an. Ich habe ja noch nie viele Jahre im Voraus geplant. Wie gesagt: Ich freue mich darauf, wieder als Trainer zu arbeiten. Und ich bin dankbar, dass es meine Gesundheit überhaupt zulässt. Ich hatte viel Zeit, zu realisieren, dass das ein sehr hohes Gut ist.



Further news about Zvonimir Serdarusic:
08.10.2007: Anderson six weeks out in Kiel - Zeitz also longer injured
 
Directly link to this news:
http://www.handball-world.com/news-index.php?LID=0&GID=1&auswahl=21267
 
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