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:: Complete News
01/20/2010 - fs, cie, dpa
Heute gegen Deutschland: Noka Serdarusic kehrt in die Öffentlichkeit zurück

Noka Serdarusic beim gestrigen Sieg der Slowenen über Schweden
Photo: Michael Heuberger
Monatelang war es still um ihn. Der Rauch des vermeintlichen Kieler Skandals hatte sich verzogen. Doch nun rückt Noka Serdarusic zumindest für ein paar Tage wieder in den Fokus. Nachdem er für handball-world vor der EM schon zwei Interviews gab, stand er jüngst auch Sport-Bild und dpa Rede und Antwort und nun wieder handball-world.com - Kein Wunder, schließlich trifft Serdarusic heute als Trainer der Slowenen auf Deutschland. Und der als medienscheu und in seiner Trainerfunktion als Zuchtmeister geltende Serdarusic tritt dabei ebenso auffallend locker auf wie im Umgang mit seinen Spielern, die - auch dank der taktischen Schachzüge ihres Trainers - ihr Auftaktspiel gegen Schweden gewannen.

Dass er mit Slowenien gegen Deutschland antreten muss, hat aus Sicht der Öffentlichkeit freilich eine pikante Note. Für den künftigen Trainer Celjes aber ist das alles halb so wild. Die Vergangenheit lässt er freilich am liebsten ruhen, nach allem, was geschehen ist, geschrieben und vermutet wurde bzw. wird. Vorwürfe über vermeintliche Manipulationen brachten Serdarusic nach seiner Trennung vom THW mehr Öffentlichkeit als er jemals wollte, auch in Österreich tauchen immer wieder Fragen hinsichtlich der Vorgänge in Kiel auf: Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen des Verdachts auf Untreue gegen Manager Uwe Schwenker und wegen Beihilfe dazu gegen Serdarusic noch nicht eingestellt. "Ich konzentriere mich nur auf die Dinge, die hier sind", so der Trainer, der mit dem THW Kiel elfmal deutscher Meister wurde und die Champions League gewann.

"Hier", das ist die EM in Österreich, bei der die Hoffnungen Sloweniens auf ihm ruhen. Der Name "Serdarusic" hat die Nationalmannschaft, die 2004 immerhin Silber bei der EM im eigenen Land errang, wieder geeint. Einige Spieler sind in das Team zurückgekehrt, doch Serdarusic will vor allem auf die Jugend setzen, sein Blick geht in Richtung Olympische Spiele 2012 in London. "Zehn bis zwölf Talente, die ganz groß raus kommen können, haben wir derzeit nicht", so Serdarusic, der bei seinem Team von einer Mischung aus erfahren und leider zu wenigen jungen Akteuren spricht. "Bis 2012 können wir schon vier, fünf junge Leute aufbauen und diese können dann gemeinsam mit einigen Routiniers angreifen", blickt Serdarusic dennoch optimistisch voraus.

Aber auch aktuell herrscht Zuversicht: "In Slowenien erwartet man am liebsten eine Medaille", berichtet Serdarusic. "Weit weg von der Spitze sind wir nicht. An einem guten Tag haben wir gegen jede Mannschaft zumindest eine Chance", erklärt der Trainer, der Flensburg in die 1. Bundesliga führte zu den Aussichten bei der EM, die mit dem Auftakterfolg gegen Schweden neue Nahrung erhielten. Auch gegen Deutschland rechnet sich die Trainerikone Chancen aus, obschon er die Favoritenrolle in Richtung des deutschen Teams schiebt: "Es wäre eine Frechheit von mir, wenn ich sage, dass Slowenien der Favorit gegen Deutschland ist. Aber man hofft schon, dass es klappt: wenn wir einen Supertag erwischen und Deutschland vielleicht nicht. Derlei weiß man im Sport aber erst hinterher." Und falls die Überraschung gelänge und Slowenien den Weltmeister von 2007 schlägt, was würde Noka Serdarusic dann machen? "Mich auf das dritte Spiel konzentrieren, denn die Nächte in Innsbruck werden kurz, da kaum Zeit bleibt bei diesem Spiel-Rhythmus, sich auf den jeweils nächsten Gegner vorzubereiten", so die trockene Antwort.

Die Lockerheit ist spürbar, im Interview mit Stefan Kretzschmar für das DSF ebenso wie auf der Pressekonferenz. "Es ist immer so, dass wenn ein Trainer traurig ist, der auf der anderen Seite glücklich sein muss", erklärt Serdarusic, nach dem Ola Lindgren seine Unzufriedenheit ausgedrückt hatte. Lange Zeit führten die Schweden, dann wechselte Serdarusic mehrfach das Deckungssystem und schaffte es, dass sein Team trotz eines zwischenzeitlichen Sechs-Tore-Rückstands wieder an den Sieg glaubte. Eine Leistungssteigerung im zweiten Abschnitt brachte am Ende noch den Erfolg, auch aufgrund des Selbstvertrauen, das Serdarusic seiner Mannschaft einimpfte.

"Das ist auch eine Frage der Sprache in meinem Job. Da kommt ja nicht viel in Frage: Ich spreche deutsch und kann mich natürlich auf dem Balkan verständigen", erklärt Serdarusic, warum er in Slowenien gelandet ist. "Slowenisch ist zwar nicht meine Muttersprache, aber ähnlich, ich verstehe die Spieler schon zu 80 Prozent und werde bis London noch besser. Und die Spieler verstehen mich schon jetzt zu 100 Prozent. Das zählt." Gefordert ist der Trainer unterdessen nach der EM nicht nur als National- sondern auch als Vereinstrainer. "Nun ziehen meine Frau und ich eben nach Celje um", steht für Serdarusic nach seinem Umzug von Kiel nach Ljubljana ein neuerlicher Umzug bevor.

"Das war so zunächst nicht geplant, da ich mir aus gesundheitlichen Gründen zuerst nur einen Job als Nationaltrainer zutraute. Zuletzt habe ich mir dann eingestanden, dass ich nicht ausgelastet bin mit dem Job als Nationaltrainer", erklärt Serdarusic, warum er am Ende doch dem Werben des slowenischen Spitzenvereins erlag. "Ich hatte letztes Jahr nach dieser ganzen Geschichte das erste Mal in meinem Leben eine Pause. Und die war fürchterlich. Ich hoffe, so was passiert mir nie wieder", schildert Serdarusic seine Zeit als "Untätiger". Nationaltrainer erschien ihm zunächst ein guter Kompromiss: "Da hat man viel Pause. Und dann kommen die Tage, an denen man nichts tut. Dann wird es langweilig. Das kenne ich nicht in den letzten vierzig Jahren, und ich sage, so kann ich mein Leben nicht verbringen." Nun ist er zurück im Stress, zunächst bei der EM, dann in Doppelfunktion.

Gesundheitlich geht es Serdarusic nach mehreren schweren Operationen vor einem Jahr wieder gut: "Das künstliche Knie macht mir inzwischen erfreulich wenig Probleme. Der Rücken ist so und so. Das heißt, seit zehn Tagen nehme ich keine Tabletten. Das bekämpfe ich so. Und wenn es nicht mehr geht, dann muss ich gleich morgens eine Tablette nehmen, sonst kann ich nicht zum Training. Aber es ist immer seltener. Früher war es jeden dritten Tag, jetzt ist es jeder zehnte Tag. Ich hoffe, dass es in vier Monaten mal jeden Monat eine Tablette ist, dass es immer besser wird." Operiert worden war Serdarusic in Kiel, eine Stadt mit der der ehemalige Meistertrainer auch heute noch viel verbindet. "Ich habe noch viele Freunde in Kiel und vor allem Familie. Darum war ich schon noch häufiger da. Ich muss mir auch keinen falschen Bart ankleben und mich dort verstecken." Ein Abschiedsspiel wünscht sich der Mann, mit dem der THW Kiel elf deutsche Meisterschaften errang, aber nicht. "Nach all den Erfolgen war ja auch davon die Rede, man müsse dem Trainer ein Denkmal bauen. Daran war ich aber auch nie interessiert. Sie wissen ja, was mit manchen Denkmälern geschieht, wenn sie erst mal stehen."

Lieber blickt Serdarusic voraus, voraus auf eine Premiere, denn bei einer EM war er noch nie in offizieller Funktion: Als er selbst als Aktiver auf dem Feld stand, da gab es noch keine Europameisterschaften. Nervös sei er aber nicht gewesen, aber die Anspannung auf der Bank sei "brutal" gewesen. "Ich habe Weltmeisterschaften und Olympische Spiele erlebt als Spieler. Die 74-er WM in der damaligen DDR beispielsweise kommt mir noch heute vor, wie eine EM. Damals gab es ja kaum Exoten. Im Ernst: Ich freue mich auf die EM, es kribbelt – aber ich bin nicht nervös. Wer zu nervös ist, macht zu viele Fehler. Und ich habe in Deutschland einen Spruch gelernt: In der Ruhe liegt die Kraft", lächelt der in Bosnien geborene Kroate mit deutschem Pass - Ein Lächeln, das aus deutscher Sicht vor der heutigen Partie - vor allem nach dem gestrigen Sieg der Slowenen - durchaus bedrohlich wirkt.

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