Samstag · 05.05.2012 · 07:07 Uhr · red

Letzte Chance für Hamburg: Kiel will das Double, HSV wenigstens einen Titel


Gefordert: HSV-Steuermann Martin Schwalb
Foto: Steffen Wollmann
Es wird Hamburgs letzte Chance. Und die Voraussetzungen sind nicht sonderlich gut. Trotz eines Trainingslagers in Ischgl strauchelte der HSV in Melsungen und demonstriert weiterhin einen eklatanten Mangel an Selbstvertrauen – und auch an handballerischer Qualität.

Nun heißt es – Hamburg gegen Kiel. Im Halbfinale des Final Four in Hamburg hat es der HSV als entthronter Meister mit seinem Nachfolger zu tun. Das Duell, welches in der letzten Saison über den Ausgang der Meisterschaft ganz entscheidend war, hat sich in dieser Runde von den Vorzeichen komplett geändert. Der HSV ist klarer Außenseiter. Innerhalb der nächsten neun Tage bekommt es der HSV gleich zweimal mit dem THW zu tun, beide Male in der "heimischen" O2 World Hamburg. Es drohen zwei Niederlagen. Die im Halbfinale wäre endgültig und würde das Scheitern der Hamburger – dann ohne Titel 2011/12 – zementieren.

"Was Alfred Gislason und seine Mannschaft in dieser Saison geleistet haben, ist schon beeindruckend. Der Titel ist natürlich absolut verdient, davor kann ich nur meinen Hut ziehen und auch im Namen des HSV Handball gratulieren", sand HSV-Trainer Martin Schwalb bereits vorab Glückwünsche an den Halbfinalgegner, bevor es am Wochenende um den zweiten Titel der Saison geht. "Die Kieler sind als Meister natürlich auch Favorit für das Lufthansa Final Four", meinte Martin Schwalb auch hinsichtlich der Rollenverteilung für den Halbfinal-Tag.

Der Trainer und Präsident des HSV Handball hofft allerdings auf einen Kraftakt seiner Mannschaft. "In so einem Pokalspiel ist vieles möglich. Da weiß man vorher nie, wer am Ende als Sieger vom Parkett geht. Wir versuchen aber natürlich, alles in die Waagschale zu werfen und mit allen Mitteln um das Finale zu kämpfen."

Die einzige Konstanz des HSV in der laufenden Saison ist das Verletzungspech. Und auch zur Pokal-Endrunde präsentiert sich die Verletztensituation des HSV kaum entspannt: Weiterhin fallen Oscar Carlén und Johannes Bitter (jeweils Kreuzbandriss) sowie Bertrand Gille (Schulter-OP) aus. Ob Stefan Schröder nach seiner Bänderdehnung ins Team zurückkehren kann, entscheidet sich kurzfristig. Das Gleiche gilt für Igor Vori, der außerdem an den Folgen eines eingeklemmten Rückennervs leidet. "Angesichts der Verletzten und durch die Niederlage in Melsungen ist die Stimmung natürlich etwas getrübt. Wir müssen aber den Kopf aus dem Sand kriegen und schauen, dass wir gegen Kiel wieder eine gute Leistung auf die Platte bringen", meint Schwalb.

Dazu muss eine gewaltige Steigerung her – zuletzt, gegen Melsungen, offenbarte der HSV einmal mehr Lücken und der Abwehr, Defizite in der Vor- und Rückwärtsbewegung sowie im Angriff. Und auch mental war der HSV nicht auf der Höhe, musste sich alleine von Kreisläufer Felix Danner reihenweise den zweiten Ball, den Abpraller, einschenken lassen. Immerhin ist mit Torsten Jansen wieder ein Kämpfer zurück. Das alleine wird aber nicht reichen. Dan Beutler wird zum Faktor werden müssen, zudem muss der HSV ganz zweifelsfrei seine beste Leistung in der laufenden Runde abliefern.